Als hätte der Himmel mich vergessen“

 

 ich habe ein Buch gelesen, das mich auch nach dem Lesen noch beschäftigt. 

 

Amelie Sander erzählt in diesem Buch ihre eigene Geschichte. Dabei wechselt sie immer von der Zeit ihrer Gefangenschaft und der Zeit, nachdem ihr die Flucht endlich gelungen ist. 


Wir lesen also parallel, wie sich Amelie in ihrem neuen, freien Leben zurechtfinden und aus alten Mustern ausbrechen muss, und auf der anderen Seite, wie es Amelies Stiefmutter schafft, sich Amelie vollkommen zu unterwerfen. Das Mädchen weiß zunächst gar nicht, dass ihre “Mama” eigentlich ihre Stiefmutter ist, da ihre eigene Mutter sich das Leben genommen hat, als Amelie erst drei Jahre alt war und sie sich nicht mehr an sie erinnern kann. 


Die Stiefmutter geht dabei wirklich raffiniert vor und schafft es Amelies Selbstvertrauen vollkommen zu brechen. Sie schafft es, dass Amelie weder im Kindergarten, noch in der Schule, noch mit einem Arzt oder sonst jemanden spricht. Tut sie es doch, erwarten sie zuhause harte und demütigende Strafen. 


Wenn man schon als kleines Mädchen derart gequält und misshandelt wird, dann schafft man auch im Teenageralter nicht, Selbstvertrauen aufzubauen, sich zu wehren und die Regeln der Stiefmutter zu brechen. 
So oft habe ich beim Lesen gedacht: Kind, bitte mach den Mund auf! 
Amelie hat versucht wegzulaufen, doch sie scheitert und es wird alles nur noch schlimmer. 
Erst mit 21 gelingt es ihr zu fliehen und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Sie kommt in einem Kloster unter und lernt Schritt für Schritt wie man eigentlich “lebt”. 

Mich hat dieses Buch sehr berührt. Da sah ich mal wieder, was ich für eine behütete Kindheit hatte. Ich habe mir allerdings auch oft während des Lesens die Frage gestellt, wie man so werden kann, wie Amelies Stiefmutter. Auch Amelies Vater hatte sie komplett im Griff. Diese Frau werde ich nie verstehen. 
Ich bewundere Amelie, wie sie sich in Freiheit voran kämpft und nicht aufgibt, auch wenn sie oft an ihre Grenzen kommt und Rückschläge erleidet. 

In welcher Zeit man sich gerade befindet, erkennt man übrigens an der Schrift. Die beiden Ebenen sind in verschiedenen Schriftarten gedruckt und so sieht man sofort, wenn die Zeitebenen wechseln. 

Ich finde das Buch wirklich sehr gut geschrieben. Der Schreibstil ist flüssig. Wir bekommen Einblick in Amelies Gedanken und man kann sich so richtig gut in Amelie hinein versetzen. 

Dieses Buch hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Ich habe mit Amelie gelitten, war mit ihr traurig, hab mich mit ihr geekelt, aber mich auch mit ihr gefreut. 
Ein Buch, das mich zum Nachdenken angeregt hat. (Alex G.)